Internationaler Währungsfond und Weltbank starten eine Blockchain

Der Internationale Währungsfond (IWF) und die Weltbank sind zwei der wichtigsten Finanzinstitutionen der Erde. Nun setzen sie ihre eigene Blockchain auf – vorerst aber nur, um mehr über die Technologie zu lernen. Währenddessen äußert sich IFW-Chefin Christine Lagarde zu Blockchain und Kryptowährungen. Beides zusammen zeigt, dass sich die Institutionen mittlerweile bwusst sind, wie groß der Wandel ist, den Bitcoin eingeleitet hat.

Wie oft gilt die Regel, dass die Informationen umso dünner sind, je wichtiger eine Institution ist. Mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Weltbank haben sich nun zwei der weltweit wichtigsten Institutionen zusammengetan, um ihr eigenes Blockchain-Projekt zu beginnen.

Einem Bericht der Financial Times zufolge haben die beiden Institutionen eine „permissioned“ – also zugangsbeschränkte – Blockchain aufgesetzt, auf der ein Token namens „Learning Coin“ (Lerncoin) läuft. Das ganze hört sich nach einem Projekt an, dass sich ein Oberstudienrat für den Schulunterricht 2.0 ausgedacht hat, und tatsächlich verhält es sich auch so ähnlich.

Der „Learning Coin“ (eine Abkürzung existiert noch nicht) wird nur in den Zentren der Institutionen in Washington verfügbar sein und keinen direkten Geldwert haben. Er wird mit einem Wissenszentrum einhergehen, in dem Blogposts, Forschungsartikel, Videos und Präsentationen gespeichert werden. Durch den Coin werden die Mitarbeiter von IWF und Weltbank Kryptoassets studieren und darüber forschen, wie man diese in der echten Welt anwendet. Zugleich werden die Mitglieder der Institutionen die Learning Coins verdienen können, indem sie bestimmte Meilensteine im Bildungsprogramm erreichen. Sie können sie dann gegen „bestimmte Belohnungen“ tauschen.

Langfristig wird geplant, nach Ablauf der Tests die Blockchain zu benutzen, um Smart Contracts einzusetzen, Geldwäsche zu bekämpfen und die Transparenz finanzieller Transaktionen zu erhöhen. Details hierfür gibt es aber nicht. Der IWF gibt nur einen dünnen Kommentar zum Thema ab: „Die Entwicklung von Krypto-Assets und der Distributed Ledger Technologie schreitet rapide vorwärts, wie auch die Menge an (neutraler und voreingenommener) Information darüber. Das zwingt Zentralbanken, Regulierer und Finanzinstitutionen zu der Erkenntnis, dass es eine wachsende Wissenskluft zwischen Gesetzgebern, politischen Entscheidungsträgern und Ökonomen auf der einen und der Technologie auf der anderen Seite gibt.“ Der Learning Coin soll helfen, diese Kluft zu überbrücken.

Tatsächlich scheint die Wissenslücke hinsichtlich Kryptowährungen und Blockchain beim IWF langsam Chefsache zu werden. Die IWF-Chefin Christine Lagarde hat sich vor kurzem am Rande eines Forums mit Journalisten der CNBC über das Thema unterhalten. Sie betont, dass „die sich veändernden Geschäftsmodelle von kommerziellen Banken“ ein „Beweis“ dafür seien, „dass Innovationen wie Kryptowährungen einen deutlichen Einfluss auf den amtierenden Finanzsektor haben.“ Die „Disruptoren“ und alle, die die „Distributed Ledger Technologie“ benutzten, „ob man es Krypto, Assets, Währungen oder wie auch immer nennt“, würden „eindeutig das System erschüttern.“ Das ist das bislang stärkste Bekenntnis zur umwälzenden Bedeutung von Blockchain und Bitcoin, das von der Hochfinanz kommt.

Natürlich beschäftigt sich Lagarde dabei vor allem mit der Rolle der eigenen Institution. Nachdem die Erkenntnis der Disruption durch Kryptowährungen und Blockchains kaum mehr zu bestreiten ist, fordert sie, dass der Strukturwandel durch Regulierung begleitet wird. „Wir wollen nicht, dass eine Innovation das System so sehr erschüttert, dass wir die notwendige Stabilität verlieren.“ Eine der zentralen Mechanismen des Wandels sei es, dass „Technologie-Firmen“ in den Bereich der Banken eindringen. Diese Firmen, mahnt Lagarde, „müssen gezwungen werden, Subjekte der Regulierung zu sein.“ Sie müssten „zur Verantwortlichkeit gezogen werden, so dass wir ihnen vollständig vertrauen können.“

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